Kölner Häfen in der Antike

Römische und frühmittelalterliche Hafenstadt am Rhein

Köln ist seit den Anfängen eine Hafenstadt. Eine Zeitreise in die römische Antike.

  • 1. Jh.

    Das römische Köln wurde kurz vor Christi Geburt auf dem vor Hochwasser geschützten Geländeplateau am linken Rheinufer gegründet. Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus wurde die Colonia Claudia Ara Agrippinensium zur Hauptstadt der Provinz Germania Inferior erhoben. Dank der verkehrsgünstigen Lage am Rhein und am Knotenpunkt wichtiger Fernstraßen entwickelte sich die Stadt zu einem nordalpinen Zentrum im römischen Reich. Bis vor wenigen Jahren war über den Hafen der römischen Stadt wenig bekannt, denn die archäologischen Funde liegen in Tiefen, die bei «normalen» Baumaßnahmen mit ein- oder zweigeschossiger Unterkellerung nicht berührt werden. Erst durch die zehnjährigen Ausgrabungen anlässlich des Baus der Nord-Süd Stadtbahn hat sich das Wissen zur antiken Hafengeschichte Kölns entscheidend erweitert. Erstmals ist es gelungen, die bis zu 14 Meter tief unter der modernen Oberfläche liegenden Relikte zu untersuchen, die ein helles Licht auf die Bedeutung des Hafens als Handels- und Warenumschlagplatz der römischen Stadt am Rhein werfen.

  • 1. Jh.

    Der römische Rheinhafen. Seit langen ist bekannt, dass unter Kurt-Hackenberg-Platz, Bechergasse und Alter Markt die mächtigen Verfüllschichten eines ehemaligen Nebenarms des Rheins liegen, der durch eine 1000 Meter lange Insel vom Strom getrennt war. Dort, am offenen Fluss, verlief auf Höhe des Buttermarktes die eigentliche Uferkante. Die Schiffe sind wohl vor allem dort angelandet, aber auch in der Nebenrinne herrschte offenbar reger Bootsbetrieb, denn es konnten hölzerne Schiffsteile geborgen werden. Zum Festland wurde die Nebenrinne von der rheinseitigen römischen Stadtmauer begrenzt, einem mächtigen Bauwerk von bis zu drei Meter Stärke und acht Meter Höhe im aufgehenden Mauerwerk. Die Stadtmauer war hier Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus errichtet worden. Auf Höhe des Kurt-Hackenberg-Platzes stand eines von mindestens drei zum Rhein gerichteten Torhäusern, zu dem die heute noch neben dem Römisch-Germanischen Museum verlaufende Hafenstraße führte.

  • 1. Jh.

    Handelsplatz und Müllkippe. In den Verfüllschichten des Hafens fanden sich riesige Mengen Tierknochen, Muschelschalen, Speiseabfälle (Tierknochen), zerbrochene Gefäßkeramik und Holzabfälle, die dort verkippt worden waren. Archäologen haben dort fast zwei Millionen Gegenstände geborgen. Unter den Funden finden sich 400 Amphorenfragmente mit Pinselaufschriften, die besonders interessant sind, da sie den Import von Wein, Öl, Fischsauce und anderen Lebensmitteln aus dem mediterranen Raum nach Köln belegen. Über tausende von Kilometern wurden Waren in das römische Köln transportiert. So lassen sich Weine aus Südspanien, Südfrankreich, Italien, Kreta und von der kleinasiatischen Küste nachweisen. Olivenöle stammen aus Spanien und Nordafrika, Würzsaucen aus Spanien und Süditalien. Bis nach Oberägypten lassen sich die Funde zurückverfolgen. Aus der Normandie wurden Austern nach Köln gebracht.

  • 1. Jh.

    Herausragend waren auch die Erhaltungsbedingungen für die vielen Objekte aus Holz, die bei trockenen Bodenverhältnissen längst verwittert wären. Hier fanden sich Hunderte von hölzernen Unterlagen für Wachstäfelchen, Spundzapfen von Tongefäßen, Kämme, Schöpfkellen und geböttcherte Gefäße. In den vom Rheinwasser getränkten Erdschichten haben sich auch Früchte, Samen und Pollen überdurchschnittlich gut erhalten. Die pflanzlichen Reste ermöglichen nicht nur einen Einblick in die Vegetation des römischen Rheinlandes, sondern auch auf den römischen Speisezettel des 1. Jahrhunderts nach Christus. Unter anderem ließen sich fast 30 Nutzpflanzen nachweisen, darunter Gemüse, Gewürze und Obstsorten, die von den Römern in den Raum nordwärts der Alpen eingeführt und in der Folgezeit im Rheinland angebaut wurden, so Feigen, Granatäpfel, Weinbeeren und der aus Indien stammende Pfeffer. Das Fundspektrum aus dem römischen Hafen von Köln wird durch Werkzeuge und Geräte von Schiffsbauern, Händlern und Hafenarbeitern ergänzt, etwa mehrere Bootshaken, die sich kaum von modernen Geräten unterscheiden lassen. Passagiere, Waren und Baumaterialien wurden auf bis zu 30 Meter langen Flachbodenschiffen (Prähme) transportiert. Die Flachbodenschiffe waren dank hoher Zuladung und geringem Tiefgang auf dem von Untiefen durchsetzten Strom für Schwertransporte besonders geeignet.

  • 10. Jh.

    Handel und Handwerk in Colonia. Schriftquellen und archäologische Funde zeigen, dass die Stadt den Übergang von der Antike zum Mittelalter als administratives, religiöses und wirtschaftliches Zentrum erlebt hat. Köln war einer der Hauptorte des östlichen Frankenreiches. Die Hafenanlagen des frühen Mittelalters sind bislang nicht ausgegraben worden. Vermutlich wurden die Uferbefestigungen aus römischer Zeit so gut es ging in Stand gehalten. Die frühmittelalterlichen Fundstellen konzentrieren sich auf einen 40 Hektar großen Bereich zwischen Rheinufer und der ehemaligen Nord-Süd-Hauptstraße der Stadt, dem Cardo maximus (Hohe Straße) im Schutz der antiken Stadtmauern. Die Grundstücke waren besonders begehrt, weil sie nahe dem Rhein lagen. Denn der Strom war auch im Frühmittelalter die wichtigste Fernverkehrsachse der Zeit. In Ufernähe lagen die frühmittelalterlichen Werkstätten der Knochen, Glas und Metall verarbeitenden Handwerker. Vor allem die kostbaren und zerbrechlichen Glasprodukte konnte per Schiff am besten verhandelt werden. Dort standen auch die Häuser der Händler und Kaufleute. Seit dem 9./10. Jahrhundert entwickelten sich in der frühmittelalterlichen Handwerker- und Händlerstadt die ersten organisierten Märkte, die Ursprünge von Altermarkt und Heumarkt inmitten der historischen Altstadt. 5.000 historische Fundstücke werden ausgestellt.

Zusammenfassung Markus Trier