Mittelalter bis 2. Weltkrieg

Konstante in der Stadtgeschichte

  • 1074

    Am Hafen, am Rheinufer, erwacht Kölns mittelalterliche Demokratie. Karl der Große hatte den entscheidenden Wandel gebracht. Dank seiner Eroberung Sachsens war Köln nicht mehr Grenzposten des fränkischen Reiches, sondern Metropole, Sitz eines Erzbischofs, Handelszentrum und geistiger Mittelpunkt für Nordwesteuropa. Das förderte Handel und Verkehr. Die Bevölkerung wuchs. Und die Herren des Handels wurden reich und frech. 1074 wagen sie den Aufstand gegen den Stadtherrn, Erzbischof Anno von Köln. Er hatte nach gewohntem Recht ein Schiff am Rheinufer, am Hafen, für einen Gast beansprucht. Aber Kölns reiche Bürger hatten ein neues Selbstverständnis entwickelt, verlangten nach Selbstständigkeit. Der Aufstand wird blutig niedergeschlagen. Aber der Gedanke bleibt lebendig. 1288 verliert der Erzbischof mit der Schlacht bei Worringen schließlich die Stadtherrschaft.

  • 1259

    Stapelrecht. Köln war und blieb Warenumschlagsplatz. Hier wechselten mit den Schiffsgrößen die Waren die Schiffe. Kleinere nutzte man für den Mittelrhein, größere für den Niederrhein. Oberländer Ufer und Niederländer Ufer erinnern als Straßennamen noch heute daran. Das vom Erzbischof 1259 verbriefte Stapelrecht, das aus der Praxis eine Picht machte, wurde für die Versorgung der Stadt und vom Zwischenhandel wie eine ständige Messe genutzt. Die Kölner bauen ihren Hafen aus. Besonderen Wert legt man auf die Entwicklung der Hafentechnik. Auf den Stadtansichten seit dem frühen 16. Jahrhundert können wir verfolgen, welch großer technischer Wandel sich am Kölner Rheinufer vollzieht. Das Ufer wird befestigt, große Holzgitter werden schräg in den Rhein gesetzt, um die Schiffe vor Eisgang zu schützen. Im frühen 16. Jahrhundert sehen wir Kräne auf Schiffen, die zum Umladen oder zum Abladen am Ufer genutzt werden. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts stehen drehbare Kräne am Ufer, die weithin am Rhein zum Vorbild werden. Mitte des 19. Jahrhunderts werden sie durch gusseiserne Kräne ersetzt und seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wird der Mensch als Antriebskraft durch Dampfmaschinen, Hydraulik und Elektrizität verdrängt. Die „Kluten“, einfache Hafenarbeiter, deren Kleidung uns heute noch bei der „Kölner Klutengarde von 1908“ im Karneval begegnet, wurden Geschichte. Damit haben wir der Hafenentwicklung Kölns vorgegriffen und das einschneidende Erlebnis des Hochwassers von Ende Februar 1784 ausgelassen, das mit Wasser und treibendem Eis die Altstadt verwüstete. Durch einen Eisstau erreichte das Hochwasser eine Höhe von etwa 13,55 Meter, also weit über dem heutigen Hochwasserschutz bis über 11m. Die Hafenanlagen am Rheinufer, Anleger und Kräne, wurden wie die dort liegenden Schiffe vom Eisgang zerstört.

  • 1813

    Hafenbau. Der erste Gedanke war der Bau eines Sicherheitshafens, der 1813 vollendet wurde. Er lag mit seinem Becken dort, wo sich heute die Grünanlagen am Theodor-Heuss-Ring befinden. Allerdings erwies sich die Einfahrt in diesen Hafen, der erst mit der Anlage der Neustadt nach 1881 aufgegeben wurde, als zu eng für Dampfschiffe. So wächst rasch der Gedanke, das „Werthchen“ eine kleine Rheininsel in Höhe von St. Maria Lyskirchen, nach Süden ans Ufer anzubinden und so einen ersten Rheinauhafen entstehen zu lassen. Im Winter diente er zugleich als Schutzhafen gegen Eisgang für die Dampfschiffe, die inzwischen den Schiffsverkehr auf dem Rhein beherrschen. Mit der Eingemeindung von Deutz im Jahre 1888 gewinnt Köln die Herrschaft über einen oft als Konkurrenten empfundenen Nachbarn und dessen Rheinufer als Hafen. Der heutige Deutzer Hafen wird nach Planungen unter Kölner Herrschaft seit 1895 erst im Jahre 1907 in Betrieb genommen. In den Jahren zuvor hatte man im Rahmen der Stadterweiterung nach 1881 erst auf Kölner Seite die Uferstraße neu angelegt und den Rheinauhafen in den Rhein hinein verlegt und vergrößert. So war der Bayenturm, der einst direkt am Rheinufer stand, nun ins Hafengelände eingebunden. Ebenso war der Malakoffturm, der am Nordende der Halbinsel des ersten Rheinauhafens errichtet worden war, nun ins Rheinufer eingebunden. Köln war um bis zu 100 Meter nach Osten in den Rhein hinein erweitert worden.

  • 1898

    Die grandiosen Hafenanlagen werden 1898 festlich eröffnet. Die Lagerbauten werden in den kommenden Jahrzehnten noch ergänzt. Bis heute prägt das 1911 vollendete „Siebengebirge“, das Stadtbauinspektor Hans Verbeek entworfen hatte, das Kölner Stadtpanorama. Aber die Planungen greifen längst weiter aus. Seit 1900 denkt man über einen Hafen im Norden der Stadt, den Niehler Hafen nach. 1912 beginnen die Arbeiten. Auch die Eingemeindung von Mülheim im Jahre 1914, die den Mülheimer Hafen in die Kölner Hafenplanungen einbringt, bremst nicht den Kölner Wachstumskurs der Häfen für die Binnenschifffahrt. Für 1940 wird bereits eine große „Internationale Verkehrsausstellung“ geplant, in der Häfen und Binnenschifffahrt eine wichtige Rolle spielen sollen. Der Zweite Weltkrieg setzt den Planungen, bald aber auch der Schifffahrt auf dem Rhein, mit versenkten Schiffen und zerstörten Brücken ein Ende.

Zusammenfassung von Werner Schäfke